Samsung Galaxy Tab S 10.5 LTE im Test

05.11.2014 20:30 Uhr | Robbie

Vor gut zwei Monaten hat Samsung ein neues Tablett, das Galaxy Tab S in den Größen 8,4 Zoll und 10,5 Zoll, jeweils als reines WiFi oder als WiFi/LTE Modell auf dem Markt gebracht. Diese Modelle stellen im Tab Bereich bei Samsung etwas Besonderes dar, denn es sind die ersten Tabs, die mit einem Super-AMOLED Display ausgestattet sind. Zum Test haben wir das Galaxy Tab S 10.5 LTE zur Verfügung, welches auf den ersten Blick einen recht guten Eindruck macht, auch wenn wie bei Samsung üblich immer noch Luft nach oben ist.

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Verpackung und Lieferumfang:

Wie heutzutage schon üblich, ist zu diesem Punkt gar nicht mehr viel zu sagen. Verpackung aus Recyclingpapier, worauf schon das Holzstrukturmuster der Verpackung hindeutet, dass Tab S 10.5 LTE, eine Kurzanleitung, die die meisten eh nicht lesen dürften, ein USB Netzteil sowie das USB Anschlusskabel. Das war es schon.

Design und Verarbeitung:

Samsung typisch besteht auch das Gehäuse des Tab S 10.5 LTE vollständig aus Kunststoff. Dies betrifft auch den Rahmen um das Display herum, der zwar metallisch wirkt, aber ebenfalls aus Kunststoff besteht. Die Rückseite kommt einem wie die Lederoptik vor, die bereits beim Galaxy S5 Einzug gehalten hat. Hierdurch ist die Rückseite jedoch sehr griffig, so dass man das Tab S sehr gut in der Hand / den Händen halten kann. Die Vorderseite besteht komplett aus Glas, das bis an den sehr schmalen Rahmen geht. Mit einem Gewicht von 465 Gramm bei einer Größe von 177,3 × 247,3 mm und einer Dicke von gerade mal 6,6 mm liegt das Tab S sehr gut in den Händen. Im Test konnten wir kein Knarzen des Gehäuses feststellen, alles war fest und druckunempfindlich. Die Spaltmaße sind gleichmäßig, so dass wir hier keinerlei Kritik äußern können.

Entgegen der Beschreibung auf das Samsung Homepage konnten wir nicht feststellen, dass sich die Rückseite abnehmen lässt, um den verbauten Akku mit 7900 mAh tauschen zu können. Demnach gehen wir davon aus, dass der Akku fest verbaut ist. Die Abdeckung für MicroSD und MicroSim sitzen fest im Gehäuse, sind aber durch die kleinen Aussparungen leicht zu öffnen.

Display:

Der Star des Samsung Galaxy Tab S ist zweifellos das Display. Das Super-AMOLED Display löst mit 2560 × 1600 Pixel auf und kommt damit auf einen PPI Wert von 288. Wenn man es das erste Mal einschaltet, denkt man, WOW, was für ein Bildschirm. Die Helligkeit des Displays liegt bei 314 cd/m2. Das ist zwar nicht die Helligkeit, die Modelle anderer Hersteller erreichen, dürfte aber im Allgemeinen nicht so auffallen. Denn durch die Super-AMOLED Technik haben wir zum einen eine sehr gute Blickwinkelstabilität sowie einen ausgezeichneten Schwarzwert und demnach einen unglaublich hohen Kontrast. Bedingt hierdurch hat man selbst im vollen Sonnenlicht noch eine gute Lesbarkeit des Displays.

Laut DisplayMate deckt das Tab S sowohl dem Farbraum im sRGB als auch im Adobe RGB ab, was prinzipiell sogar einen Profi Einsatz möglich machen würde. Auch wenn viele User auf dem ersten Blick wieder die Farbdarstellung des Samsung Displays als unnatürlich und übersättigt finden werden, Samsung hat alles richtig gemacht. Insbesondere die Voreinstellung der Betriebsmodi der Anzeige sind gut gemacht. Am natürlichsten kommt einem das Display in der Einstellung “Einfach“ vor. Hier entsteht weder einen Farbstich noch lassen sich Abweichungen in den Graustufen feststellen.

Hardware, CPU und Speicher:

An RAM hat das Galaxy Tab S 3 GB verbaut. An Hauptspeicher wurden dem Tab S 16 GB spendiert. Auch eine 32 GB Version soll erhältlich sein. Nach dem ersten Start des Tab S stehen dem User bei der 16 GB Variante noch knapp 11,5 GB zur Verfügung, der Rest wird bereits vom Betriebssystem benötigt. Der Speicher kann zusätzlich per MicroSD um bis zu 128 GB erweitert werden. Allerdings ist es durch die Beschränkung seitens Google kaum noch möglich, diesen zusätzlichen Speicher außer mit Musik, Videos und Bildern zu nutzen, lediglich die von Samsung vorinstallierten Apps – und hier auch nicht alle – lassen sich auf die SD Karte auslagern. Bei selbst installierten Apps kommt es rein auf die App Hersteller an, ob diese ihren Apps oder zumindest Teilen davon, auf die SD Karte auslagern lassen. Wer also viele Apps installieren möchte, sollte sich schon vor überlegen, ob er nicht gleich zu 32 GB großen Modell greift.

Bei der CPU setzt Samsung im Galaxy Tab S diesmal nicht auf einen SoC von Qualcomm, sondern auch einen hauseigenen Exynos 5420 Octa-Core Chip. Diese besteht aus einem Cortex A15 mit 4 × 1,9 GHz sowie einem Cortex A7 mit 4 × 1,3 GHz. Hierdurch wird also die so genannte big.Little Technologie angewandt. Dies bedeutet, je nach Anwendung und Bedarf wird entweder mit dem stromsparenden A7 gearbeitet oder wenn Leistung gefordert ist, kommt der A15 zum Einsatz. Selbst ein kurzzeitiger Einsatz alle acht Kerne ist möglich.

Wie bereits oben erwähnt, stehen dem System 3 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Unterstützt wird das System durch eine Mali die T628 MP6 GPU. Insgesamt ist die CPU Leistung ausreichend, auch wenn sie aktuell schon nicht mehr zu HighEnd Ausstattung gehört.

Um die Geschwindigkeit respektive die verschiedenen Kerne nutzen zu können, kommt es selbstverständlich auch auf die Apps an. Nicht alle Apps können alle Kerne der CPU nutzen, so dass es dann ohne weiteres möglich ist, dass dieselbe App auf den anderen Geräten mit einer Qualcomm CPU schneller ist.

Die Grafikleistung ist insgesamt gut zu nennen, kommt jedoch an die aktuellen HighEnd Produkte nicht heran. Dies liegt unter anderem auch an der hohen Auflösung des Galaxy Tab S, da hier doch einige Apps oder Spiele einfach nicht angepasst sind.

Insgesamt macht das Galaxy Tab S bei der Performance einen recht guten Eindruck. Aber auch hier wird dies wieder durch Samsungs TouchWiz UI Oberfläche getrübt, die einiges an Performance schluckt und für den ein oder anderen Microruckler sorgt. Insbesondere der App Drawer oder in der Widgets Übersicht, aber auch bei der Nutzung von Apps oder Spielen. Schade, dass es Samsung einfach nicht schafft, hier durch ein schlankeres UI endlich für Abhilfe zu sorgen. Mit alternativen wie den Nova Launcher geht es ja schließlich auch. Hier hat man dann aber den Nachteil, dass man auf einige sinnvolle Features des Samsung UI wie dem Magazin UX verzichten muss.

Software und Bedienung:

Das Galaxy Tab S 10.5 kommt mit Googles Android KitKat 4.4.2 daher, also auch noch nicht das ganz aktuelle Android 4.4.4. Wie üblich wird von Samsung die hauseigene TouchWiz UI drüber gelegt. Wie sich diese auf die Performance auswirkt, haben wir bereits oben dargelegt. Gut gelungen finden wir die Möglichkeit über die App Galaxy Apps den Samsung AppStore nutzen zu können, denn hier findet man auch exklusive kostenlose Apps. Auch ein Kindermodus sowie das bekannte MultiWindow für das gleichzeitige Ausführen von zwei Programmen ist wieder mit an Bord. Das MultiWindow öffnet man durch einen Wisch von rechts nach links. Allerdings lassen sich nicht alle installierten Apps im Dualmodus öffnen, da diese nicht alle in die Liste übernommen werden.

Mit der der TabPro Reihe wurde auch das Magazin UX eingeführt. Hierbei handelt es sich um eine Art Homescreen mit so genannten News Kacheln, wie man es teilweise auch von Windows-Phone her kennt. Wischt man auf dem Homescreen von links nach rechts erscheint das erste Menü, indem im Grunde fast nur News enthalten sind, welche verschiedenen Bereichen wie Sport, Nachrichten etc zugeordnet sind. Dies kann man dann noch entsprechend seiner Interessen nach konfigurieren. Hinzu kommen noch einzelner Infos, genannt Schnell-Briefing, so dass man das wichtigste im Blick hat.

Ein zweiter Wisch bringt eine weitere Seite zum Vorschein, in dem die wichtigsten Sachen wie Mail, Kalender und das vorinstallierte Hancom Office abgelegt sind. Das Ganze erinnert stark an Flipboard, was jedoch daran liegen dürfte, dass hier viele Services einfach in das Magazin UX übernommen wurden.
Auch der Fingerabdruckscanner, eingeführt mit dem Galaxy S5 wurde beim Tab S 10.5 übernommen. Aber auch dieser arbeitet mehr schlecht als recht, wie man es auch bereits beim S5 erleben konnte. Die Erkennungsfunktion arbeitet hierbei noch ganz gut, jedoch muss man wie schon beim S5 den Finger sehr gerade und langsam über den Scanner ziehen. Nachteil auch hier, zuerst muss das Galaxy Tab S durch drücken des Home oder Powerbuttons aufgeweckt werden. Was wir beim Tab S vermissten ist der S-Pen. Dieser bleibt jedoch der TabPro Reihe vorbehalten.

Der Touch Screen des Tab S (kapazitiv) reagiert ausgezeichnet. Öfter kam es uns so vor, als wenn man diesen noch gar nicht berührt hätte (ähnlich wie beim Sony Xperia Z1 Compact), und schon wurde eine Aktion durchgeführt. Die Eingaben werden daher sehr präzise durchgeführt bzw. angenommen. Die vorinstallierte virtuelle Tastatur gefällt ebenfalls und ist recht gut durchdacht und eignet sich bereits prima zum Schreiben, auch wenn wir immer noch Swiftkey als Tastatur favorisieren.

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Telefonfunktionen:

Die Besonderheit beim Galaxy Tab S LTE liegt darin, dass dieses Tablet eine vollwertige Telefonfunktion hat und nicht wie andere Tabs mit Sim Karteneinschub nur zum mobilen Surfen genutzt werden können. Über die Telefon App kann das Tab S wie ein normales Telefon benutzt werden. Nachteil, es gibt keinen Ohrhörer, aber wer will sich auch schon ein 10,5 Zoll großes Tab ans Ohr halten. Man müsste also über den Lautsprecher telefonieren. Leider ist das eingebaute Mikrofon nicht sonderlich gut und die Sprachqualität leidet darunter. Nutzt man zum Telefonieren jedoch ein Bluetooth Headset, sieht die Sache wieder anders aus.

Kamera:

Die vordere Kamera des Tab S 10.5 arbeitet mit einer Auflösung von 2,1 Megapixel. Dies ist für Videotelefonie oder auch Selfies soweit ausreichend. Interessant hierbei, dass auch bei Selfie Aufnahmen verschiedenen Modi ausgewählt werden können. Bei anderen Herstellern ist das nicht unbedingt der Fall.
Die Hauptkamera löst dagegen mit acht Megapixel mit bis zu 3264 × 2448 Punkten im 4.3 Format auf.

Bei Tageslicht reicht das für relativ gute Ergebnisse vollkommen aus. Bei schlechten Lichtverhältnissen geht die Bildqualität aber stark zurück. Für Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen hilft die eingebaute LED Blitzleuchte zumindest bei Aufnahmen in näherer Umgebung, da diese naturgemäß nicht allzu weit leuchten.

Das Kameramenü ist wie üblich bei Samsung recht gut bestückt und lässt kaum Wünsche offen, was die manuellen Einstellmöglichkeiten angeht. Ebenso gibt es eine ausreichende Anzahl an Modis.

Videos nimmt das Galaxy Tab S 10.5 in Full-HD also 1920 × 1080 Pixel auf. Auch hier ist die Bildqualität bei gutem Umgebungslicht recht ordentlich. Aber wie schon bei der Telefonfunktion aufgefallen, kann das Mikrofon auch hier nicht richtig überzeugen und liefert nur eine unterdurchschnittliche Tonaufnahme.

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Bilder im normalen Automodus

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Vergleich ohne und mit HDR

Akku:

Der Akku leistet wie bereits oben erwähnt 7900 mAh und das ist doch etwas geringer als zum Beispiel im Galaxy Note 10.1. Bedingt durch die schmalere Bauweise dürfte dies jedoch als normal angesehen werden. Von der Leistung her haben wir daher auch nur durchschnittliche Ausdauerwerte erfahren können. Ein Full HD Video bei voller Helligkeitseinstellung des Displays bringt nur eine Laufzeit von maximal 7 Stunden durchschnittlich. Das können andere Tabs besser. Bei der üblichen Nutzung des Tab S 10.5 ergibt sich jedoch dann eine recht gute Nutzung von ein bis zwei Tagen Laufzeit. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass das Display des Tab S 10.5 auch in der dunkelsten Stufe noch recht gut lesbar ist.

Entertainment:

Natürlich machen Videos auf so einem brillanten Display richtig Spaß. Obwohl die Lautsprecher des Tab S 10.5 recht gut positioniert sind, ist die Tonqualität nicht berauschend. Lediglich die Höhen klingen sauber und ohne Verzerrung. Von daher macht es mehr Sinn, Musik über gute Kopfhörer mit Klinke zu hören, da hier dann recht gute Werte erzielt werden können.

Verbindungen:

Das hier getestete Samsung Galaxy Tab S 10.5 LTE enthält an Verbindungen so ziemlich alles was man benötigt. WLAN wird mit dem Standard 802.11 a/b/g/n und ac sowohl im 2,4 GHz als auch 5 GHz Bereich genutzt und die Reichweite ist recht ordentlich. Im Test mit diversen Handys (LG G3, Sony Xperia Z1 Compact und Nokia Lumia 1320) konnte die WLAN Verbindung doch um einiges weiter entfernt genutzt werden. Ferner werden im LTE Netz Geschwindigkeiten bis zu 150 Mb/s im Download und bis zu 50 Mb/s im Upload ermöglicht (sofern diese Netzgeschwindigkeiten mal in Deutschland zur Verfügung stehen). Zusätzlich besitzt das Tab S 10.5 LTE auch noch einen so genannten Download Booster (App), mit dem man bei großen Daten (ab 30 MB aufwärts) WLAN und LTE Netz zusammenschalten und in Dualmodus Daten herunterladen kann. Natürlich wird im normalen Betrieb auch UMTS und HSPA plus (bis 42 Mb/s) ermöglicht.

Unterstützt wird auch Bluetooth 4.0. Die Satellitenortung erfolgt über GPS, Glonass und Beidou (chinesisches „GPS“). Der SatFix ist im Freien sehr schnell, selbst in geschlossenen Räumen erfolgt dieser in Sekundenschnelle. Offensichtlich hat Samsung im Tab S 10.5 recht gute Antennen verbaut.

Auf NFC hat Samsung jedoch verzichtet. Da diese Technik heutzutage ja eher fürs bezahlen von Einkäufen oder Dienstleistungen gedacht ist, kann man bei einem Tablet getrost darauf verzichten.

Interessant auch, dass das Tab S 10.5 von Haus aus über die USB Schnittstelle USBToGo unterstützt. Ferner werden auch MHL, DLNA und ANT+ unterstützt. Auch sinnvoll, dass über den Infrarotsensor an der Oberseite des Tab S sowie der vor installierten Apps WatchOn das Tab S 10.5 als Universalfernbedienung für Fernseher, Blue Ray bzw. DVD-Player, Media Player und Set-Top-Boxen dienen kann.

Hier noch die technischen Daten und Preise:

Display: Super-AMOLED 2560 × 1600 Pixel, 10,5 Zoll, 288 PPI

Prozessor: Octa-Core Cortex A15 4 x 1,9 GHz, Cortex A7 4 x 1,3 GHz

RAM 3 GB

Gerätespeicher 16 GB / 32 GB

Speichererweiterung: Micro SD bis zu 128 GB

Kamera: hinten 8 Megapixel mit LED Blitz, vorne 2,1 Megapixel

Akku: 7900 mAh

Verbindungen: WLAN 802.11 a/b/g/n/ac 2,4 und 5 GHz, Mimo WiFi-Direct, Bluetooth 4.0, ANT+, USB 2.0, GPS, Glonass, Beidou, MHL

Abmessungen: 177,3 x 247,3 × 6,6 mm Gewicht 465 g

Preise UVP (laut Samsung Homepage):

Tab S 10.5 WiFi 499,00 €
Tab S 10.5 WiFi/LTE 599,00 €
Tab S 8.4 WiFi 399,00 €
Tab S 8.4 WiFi/LTE 499,00 €

Fazit:

Insgesamt gesehen ist das Samsung Tab S 10.5 LTE ein hervorragendes Stück Technik. Insbesondere das brillante Super-AMOLED Display kann begeistern. Leider müssen bei der Performance, bei der Grafikleistung und beim Sound der Lautsprecher Abstriche gemacht werden. Auch wenn es Jammern auf hohem Niveau ist, in dieser Preisklasse hätte es etwas mehr sein müssen. Auch mit dem Tab S 10.5 wird Samsung wieder nur eine bestimmte Klientel bedienen. Wir würden uns doch manchmal etwas weniger Geräte, aber dafür ein wirkliches HighEnd Produkt wünschen. Eine Mischung aus Tab S mit brillanten Display, Galaxy Note 10.1 mit S-Pen und Galaxy TabPro mit dessen Performance wäre ein Traum.

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