Quelle: www.spiegel.de

Siemens plant neue Sanierungsoffensive

Mit dem Verkauf der Mobilfunksparte hat Siemens seine Probleme noch nicht überwunden. Die Geschäfte im dritten Quartal liefen noch schlechter, als es sogar pessimistische Analysten befürchtet hatten. Konzernchef Klaus Kleinfeld will den Sanierungskurs jetzt weiter verschärfen.

München - Der operative Gewinn vor Steuern aus fortgeführten Geschäften sei im Dritten Quartal auf 980 Millionen Euro gesunken, teilte Siemens heute in München mit. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte er noch 1,333 Milliarden Euro betragen. Analysten waren von wesentlich höheren Zahlen ausgegangen. Sie hatten im Schnitt mit 1,249 Milliarden Euro gerechnet.

Dabei sind die Verluste der Handy-Sparte bereits aus dem Ergebnis herausgerechnet, die an den koreanischen Hersteller BenQ abgegeben wird. Für das gesamte Geschäftsjahr geht Siemens nun für die fortgeführten Sparten von einem Gewinn in etwa auf Vorjahreshöhe aus.

Die Aktionäre des taiwanesischen BenQ-Konzerns hatten zuvor dem Kauf der Siemens-Handysparte auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zugestimmt. Im dritten Quartal belasteten die Handys das Siemens-Ergebnis noch einmal mit einem Minus von 236 Millionen Euro.

Logistikbereich in den roten Zahlen

Auch ohne die Mobilfunksparte hat der Konzern noch Probleme. Drei Sparten erzielten im Quartal ein negatives Bereichsergebnis. So machte die Kommunikationssparte Com auch ohne die Mobilfunkgeräte ein Minus von 70 Millionen Euro. Beim IT-Dienstleister SBS betrug der Verlust sogar 109 Millionen Euro. Auch der Logistik-Bereich L&A war in den roten Zahlen. Der Konzern sei dabei, geeignete Maßnahmen für die Problemsparten zu ergreifen, sagte Kleinfeld.

Der Siemens-Chef gab sich trotzdem zuversichtlich. Der Konzern sei bei den Themen profitables Wachstum und Portfolio des Unternehmens gut vorangekommen, erklärte er. Es sei aber klar, dass das Umstrukturierungsprogramm Fit4More nicht über Nacht alle Ergebnisse verbessern könne. "Hierzu sind weitere Schritte und harte Arbeit erforderlich, wir scheuen davor aber nicht zurück", sagte er.

Zufrieden zeigte sich Kleinfeld mit der Entwicklung des Umsatzes der gegenüber dem Vorquartal um sieben beziehungsweise zulegte. Mit 18,75 Milliarden Euro im dritten Quartal fiel dieser auch höher aus als von Analysten erwartet. Die Auftragseingänge legten sogar um neun Prozent zu.

Für das gesamte Geschäftsjahr geht Siemens nun von einem Ergebnis der fortgeführten Bereiche in etwa auf Vorjahresniveau aus. Ursprünglich hatte Siemens unter dem Strich einen Gewinnanstieg ins Auge gefasst. Jedoch hatte Kleinfeld dieses Ziel bereits im Frühjahr in Frage gestellt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres lag der Gewinn nach Steuern für die fortzuführenden Geschäfte noch unter dem Vorjahreswert.