Originalansicht: Ausweis-Pflicht für Prepaid-Karten: billiger Mobilfunk vor dem Aus?

Für vorbezahlte Mobilfunkkarten könnte es ab dem Sommer die Verpflichtung zur Vorlage eines Ausweises geben, um diese freizuschalten. Und das möglicherweise nicht nur bei neuen SIM-Karten, sondern sogar rückwirkend. Ein konkretes Beispiel aus Belgien zeigt, dass dadurch der gesamte Mobilfunkmarkt umgewälzt werden kann


Der § 111 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) wird derzeit überarbeitet. In der geänderten Fassung soll festgeschrieben werden, dass alle Inhaber einer Mobilfunkkarte durch Vorlage eines Personalausweises oder Reisepasses mit Meldebescheinigung identifiziert werden können. Der Gesetzesentwurf aus dem vergangenen Jahr sieht auch vor, dass dies sogar für nach dem 22. Juni 2004 ausgegebene SIM-Karten gelten soll. Die Abwehr von Terror dient dabei natürlich als Begründung, doch Kritiker sehen darin eher einen weitereren Schritt zur allumfassenden Kontrolle der Bürger. Durch die neue Maßnahme stehen vor allem die preiswerten Angebote bei Discountern wie Aldi, Lidl und Co. vor dem Ende. Dort ist zwar bereits jetzt eine Registrierung erforderlich, doch diese ist online im Internet möglich, ohne dass die gemachten Angaben kontrolliert werden.

In Zukunft wird das dann nicht mehr möglich sein. Die Folgen einer solchen Neuregelung zeigen sich bereits jetzt in Belgien, denn dort hat Aldi angekündigt, dass sämtliche eigenen Mobilfunk-Angebote schon Anfang Juni der Vergangenheit angehören werden. Konkret heißt es:
Ab dem 6. Juni 2017 gehört Aldi Talk nicht mehr zu unserem Sortiment. Ab diesem Tag ist es gesetzlich verpflichtend, dass sich alle Nutzer von Prepaid-Karten registrieren und identifizieren. Bedauerlicherweise können wir diese verpflichtende Registrierung in unseren Filialen nicht anbieten. Daher wird Aldi Talk ab dem 6. Juni 2017 eingestellt. Bis einschließlich 14. April 2017 können Sie noch Aufladekarten kaufen. Ab dem 6. Juni werden alle Aldi Talk Karten abgeschaltet. Ihr Aldi Talk Guthaben sollten Sie vor dem 6. Juni 2017 verbrauchen.
Die obige Erklärung macht deutlich, dass von der Änderung nicht nur neue Nutzer betroffen sind, sondern auch Bestandskunden nicht mehr auf das Angebot zugreifen können. Diverse andere Anbieter werden sicher ähnlich vorgehen (müssen), was de facto das Ende der preiswerten Discounter-Tarife bedeutet. Als Alternative bleibt dann nur Provider übrig, bei denen eine Registrierung in eigenen Läden möglich ist, doch hier werden meisten (deutlich) höhere Preise fällig.

Für die bisherigen Kunden in Deutschland könnte es aber noch eine Gnadenfrist geben, denn laut dem oben erwähnten Entwurf sollen eineinhalb Jahre Zeit bleiben, in denen der Ausweis vorgelegt werden kann. Die Discounter werden sich aber Diskussionen ersparen wollen, und dann lieber gleich ganz auf das Angebot eigener Tarife verzichten.
(Mit Material von: winfuture
Bildquelle: Stiftung Warentest)

Meinung des Autors: Auf der einen Seite ist eine Ausweispflicht für Mobilfunkkarten verständlich, auf der anderen Seite wird es für Kriminelle aber genug Ausweichmöglichkeiten geben. Am Ende wird die Maßnahme also wohl nur dazu führen, dass die derzeitigen Billig-Tarife eingestellt werden. Was haltet ihr davon?