Originalansicht: HDR bei Smartphone-Kamera: was ist das, Vorteile und Nachteile

Die Kameras vieler Smartphones können Fotos mit dem erweiterten Kontrastumfang 'High Dynamic Range', kurz HDR, aufnehmen. Wir erklären nachfolgend, was sich hinter dieser Technologie verbirgt, und welche Vorzüge beziehungsweise schlechten Seiten es gibt


Diverse Smartphone-Kameras haben einen HDR-Modus, den man automatisch und/oder manuell aktivieren kann. In dieser Betriebsart werden Bilder mit deutlich größerem Kontrastumfang aufgenommen. Das ermöglicht es im Idealfall, dass der gesamte Inbild-Kontrast eher dem menschlichen Sehvermögen und Sehempfinden entspricht. Bei Landschafts- und Naturaufnahmen sorgt dies beispielsweise dafür, dass Bildbereiche im Vordergrund nicht im Schatten versinken, während die Wolken am Himmel gleichzeitig nicht überbelichtet werden (Bild 1 unten). Bei Personenbildern kann das im Schatten liegende Gesicht besser erkannt werden, ohne dass der Hintergrund überstrahlt. Hier einige Vergleiche:

Um ein solches Bild zu erstellen, nutzen moderne Smartphones einen Trick: es werden nämlich gleich drei Bilder aufgenommen. Eines ist überbelichtet, eines ist korrekt belichtet, und eines ist unterbelichtet. Aus diesen drei Vorlagen wählt dann die Kamera-Software die vermeintlich passenden Bildbereiche aus, um ein in sich konsistentes Gesamtbild zu schaffen. Doch genau hier liegt auch der Hase im Pfeffer, denn die Auswahl erfolgt automatisch, ein manuelles Eingreifen ist nicht möglich. Und das Ergebnis ist nicht immer optimal.


Teilweise kommt es nämlich vor, dass die eigentlich wichtigen Bildbereiche zu hell oder zu dunkel erscheinen. Im zweiten Bild oben lässt sich das teilweise nachvollziehen, wo Bereiche des Bartes vor dem dunklen Gesicht verschwinden. Bei manchen Bildern tritt aber auch ein anderer Effekt auf, denn durch den hohen Kontrast können die Bilder mitunter (sehr) unnatürlich wirken. Ein weiteres Problem sind Bewegungen im Bild oder bei der Aufnahme. Die drei erwähnten Vorlagen werden nämlich nicht gleichzeitig, sondern ganz kurz hintereinander aufgenommen. Daher erscheinen bewegte Objekte auch an jeweils anderer Stelle im Bild, was bei der Berechnung des gesamten Fotos zu Geisterbildern und anderen Bildfehlern führen kann.

Aus diesem Grund sollte HDR längst nicht in allen Situationen die erste Wahl sein. Bei Bildern im Gebäudeinneren, bei möglichst großer Detailtreue, und vor allem bei allen Aufnahmen mit Bewegungen (Sport, Menschen und Tiere in Action und ähnliches) kann oder sollte auf HDR verzichtet werden. Zudem ist es sinnvoll, eine eventuell vorhandene Backup-Funktion des Smartphones zu nutzen, bei der die normal belichtete der drei Vorlagen zusätzlich zum HDR-Bild gesichert wird. Wie das bei iPhone geht, haben wir in diesem Ratgeber erklärt.

Wichtige Anmerkung: Für die Wiedergabe von mit HDR aufgenommenen Fotos ist keine besondere Hardware erforderlich. Es handelt sich nicht um eine spezielle Codierung, die nur von bestimmten Geräten verarbeitet werden kann. Vielmehr handelt es sich um eine Kontrastanpassung innerhalb eines Motivs, die von jedem Display entsprechend seinen Möglichkeiten dargestellt werden kann.
(Bildquellen: Vodafone; 9to5mac; gizmodo)

Meinung des Autors: Dank HDR lassen sich mit dem Smartphone tolle Fotos aufnehmen, die vor einiger Zeit noch als unmöglich angesehen wurden. Endlich wirklich blauer Himmel, und endlich auch Portraits, bei denen man das Gesicht erkennt. Doch es ist längst nicht alles Gold was glänzt, denn die Technik hat auch ganz klare Grenzen - und dann werden Bilder schlechter statt besser.