Originalansicht: Smartphone-Updates im Test: Apple und Google top, Samsung und Co. schwächeln

Bekanntermaßen gibt es in Bezug auf Funktions- und Sicherheitsupdates große Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern, aber auch zwischen verschiedenen Modellen. Wie groß diese tatsächlich sind, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Dabei gibt es zwei Sieger, eine Überraschung, ein breites Mittelfeld und ein sehr enttäuschendes Schlusslicht


In einem internationalen Gemeinschaftstest, an dem für Deutschland die Stiftung Warentest teilgenommen hat, wurden diverse Smartphone-Hersteller in Bezug auf die verteilten Updates überprüft. Dabei wurden zwischen Ende 2015 und Anfang 2018 insgesamt 116 Smartphones von 16 Unternehmen getestet, wobei die Geräte hierzulande mindestens ein halbes Jahr auf dem Markt gewesen sein mussten. Installiert worden sind die angebotenen Aktualisierungen dann, wenn sie "over the air" (OTA) per WLAN heruntergeladen werden konnten. Überprüft wurden die Häufigkeit der Updates, über welchen Zeitraum welche Geräte neue Versionen bekommen, sowie der Stand von Firmware und Sicherheitspatches. Bei Android floss positiv ein, wenn Sicherheitsupdates nicht älter als zwei Monate waren.

Die Aufgabe mit Bravour erledigt hat Apple. Bei den geprüften fünf iPhone wurden Updates "sehr verlässlich" geliefert, weshalb die Geräte "stets auf dem neuesten Stand" waren. DIe Belohnung sind die maximal möglichen 100 Punkte. Erstaunlicherweise kaum schlechter schneidet Google ab. Die fünf geprüften "Handys wurden sehr regelmäßig aktualisiert" und "bis auf das Nexus 6 bekamen sämtliche Modelle auch prompt die neueste Betriebssystem-Version Android 8". Das war den Prüfern immerhin 98 Punkte wert. Dahinter tut sich bereits eine kleine Lücke auf, bis die erwähnte Überraschung auftaucht. Das ist Microsoft mit seinen (Nokia) Lumia Smartphones. Für die getesteten neun Modelle stand acht man Windows 10 Mobile bereit, und "registrierten wir regelmäßige Updates". Die erreichten 84 Punkte zeigen, dass die Geräte eigentlich durchaus eine Chance auf dem Markt verdient hätten, denn mit der guten Update-Strategie hätte man sich von Android durchaus absetzen können.


Denn dort zeigen sich bei allen Anbietern - von Google abgesehen - quasi die gleichen Probleme. Regelmäßige und langfristige Updates bekommen zumeist nur die Top-Modelle, während es bereits in der (gehobenen) Mittelklasse oftmals (deutlich) schlechter aussieht. Das zeigt sich exemplarisch am Marktführer Samsung, dessen 25 geprüften Handymodelle ein eher durchwachsenes Ergebnis erzielten. Kritisiert werden die bekanntermaßen lange Wartezeit, die auch bei uns immer wieder ein Thema ist, und dass preiswertere Geräte "nur sporadisch Updates" bekommen. Auf der Habenseite steht, dass zumindest die Galaxy S Reihe regelmäßig versorgt wird, und die anderen Modelle immerhin recht lange Aktualisierungen bekommen haben. An dieser Stelle muss allerdings eingefügt werden, dass es gerade bei Samsung davon abhängt, bei welchem Provider das Gerät gekauft wird. Das zeigt sich beispielhaft bei Samsung Galaxy S8, bei dem Geräte vom freien Markt, sowie von Telekom und T-Mobile seit der Markteinführung zwischen neun und 13 Updates bekommen haben und inzwischen auch Android 8 Oreo nutzen können. Bei 1&1 hat es im gleichen Zeitraum hingegen nur ganze zwei Updates gegeben, und das letzte davon wurde im Juli 2017 veröffentlicht - was ein eklatantes Sicherheitsproblem darstellt.

Unter den letztgenannten Problemen leiden die anderen Hersteller nicht ganz so stark, doch auch hier gibt es prinzipiell die gleichen grundlegenden Schwierigkeiten. Am besten kommt dabei noch OnePlus weg, was bei gerade einmal drei getesteten Modellen eher relative 83 Punkte bedeutet. Dahinter liegt das aktuell vom Untergang bedrohte Motorola, das inzwischen zu Lenovo gehört. Die sechs Modelle wurden unregelmäßig versorgt, haben aber immerhin fast alle die neuste Android-Version bekommen. Moto G und Moto X der 2. Generation haben jedoch letztmals vor mehr als einem Jahr ein Sicherheitsupdate bekommen. 81 Punkte. Huawei und Honor haben mit 17 Modellen eine recht breite Palette, doch auch hier wurden primär teurere wie das P9 versorgt. Andere Geräte haben hingegen "in den letzten zwei Jahren keine Updates" mehr bekommen. Macht 76 Punkte.

Dahinter geht es deutlich bergab. Sony mit 17 Modellen bedachte nur neuere Smartphones der Serien Xperia X, XZ und Z regelmäßig, während der Rest bereits eineinhalb Jahre nach Markteinführung unversorgt blieb. Bei HTC haben etliche Geräte zwar eine neue Version des Betriebssystems bekommen, doch bei den Sicherheitsupdates wird geschlampt. Manche Geräte haben seit zwei Jahren keinen Patch mehr erhalten. Macht für beide Hersteller 67 und 65 Punkte. Noch dunkler sieht es bei Wiko (vier Modelle) und LG (12 Modelle) aus, wo es gravierende Defizite bei Sicherheitspatches gibt. Allenfalls LG G5 und G6 fallen positiv auf, am Ende gibt es nur 50 und 49 Punkte. Den Vogel abgeschossen hat allerdings der deutsche Anbieter Gigaset, von dessen drei Geräten das ME und ME Pro "nie aktualisiert" wurden, und dessen GS160 "mit nur einem kleineren Update auskommen" musste. Die vergebenen 11 Punkte sind eine schallende Ohrfeige.

Hinweis: Die Android-Handys von Nokia haben nicht am Test teilgenommen, da diese erst seit Anfang 2017 erhältlich sind. Wie sich gezeigt hat, werden diese ziemlich zügig mit den monatlichen Android-Sicherheitspatches versorgt. In Bezug auf die Versionsupdate gibt es aber immer noch etwas Luft nach oben.

Meinung des Autors: Ein aktueller Test bringt ziemlich gut auf den Punkt, wie es um die Updates bei Smartphones bestellt ist. Dabei sieht es oftmals nicht gerade gut aus, was in Bezug auf die Funktionen vielleicht noch verschmerzbar ist, bei der Sicherheit jedoch durchaus zu denken gibt. Sicher ist man aktuell nur bei zwei Herstellern und/oder wenn man viel Geld bezahlt.