Originalansicht: OnePlus Two im Test

Als im letzten Jahr das Start Up Unternehmen OnePlus mit seinem ersten Smartphone, dem OnePlus One, auf den Markt kam, geschah dies mit einem großen Hype, denn im One gab es erstmals erstklassige Hardware zu einem günstigen Preis. Mit dem jetzt erhältlichen OnePlus Two will das Unternehmen nachlegen und den etablierten Herstellern wie Samsung, Sony oder HTC erneut das Fürchten lehren.


Verpackung und Lieferumfang:

Bei Verpackung und Lieferumfang wurde eher gespart, vermutlich um die Gesamtkosten zu drücken. Denn weder ein Ohrhörer noch ein Adapter für den USB Typ C Anschluss auf Micro USB wurde beigefügt.

Enthalten sind lediglich das OnePlus Two, ein USB C Netzteil sowie ein USB C Ladekabel. Ob dies auch als Datenkabel dient, konnte hier mangels USB C Anschluss am PC leider nicht überprüft werden, sollte aber möglich sein. Zusätzlich gibt es nur noch die übliche Schnellstartanleitung in diversen Sprachen.

Wer also auf eine Datenübertragung zwischen OnePlus Two und einem PC per USB Kabel angewiesen ist, sollte gleich beim Kauf des OnePlus Two einen entsprechenden Adapter oder ein entsprechendes Kabel bestellen. Ebenso sollten Interessenten an den verschiedenen Rückseiten aus echtem Bambus, Rosenholz, Pfirsichholz oder Kevlar direkt diese mit bestellen.



Design und Verarbeitung:

Das Design erinnert mich zunächst etwas an die Samsung Galaxy A Serie. Von vorne der physikalische „Homebutton“, der auch einen Fingerabdruckscanner integriert hat, sowie der umlaufenden Metallrahmen ebenso wie der nicht wechselbare Akku. Aber das war‘s dann auch schon.

Die seitlichen Volumentasten haben einen guten Druckpunkt. Ein besonderes Feature ist der an der linken Seite verbaute “Alert Slider“, über den man direkt steuern kann, ob man Benachrichtigungen erhalten möchte oder nicht bzw. halt nur von seinen wichtigsten Kontakten.

Ansonsten ist das OnePlus Two sehr gut verarbeitet. Da wackelt oder knarzt nichts, egal wohin man drückt. Als einer der ersten Hersteller verbaut OnePlus zudem einen USB Typ C Anschluss. Bei diesem ist es wie bei Apples „Lightning“ Anschluss egal, wie herum man den Stecker einsteckt. Man kann also von beiden Seiten her einstecken. Die Gefahr, die bei einem herkömmlichen Micro USB Stecker gegeben ist, indem man mit der falschen Seite seinen USB Anschluss am Smartphone beschädigen könnte, ist bei USB C nicht mehr gegeben.

Lediglich die Rückseite abzunehmen könnte sich mit sehr kurzen Fingernägeln als etwas schwierig gestalten. Da man diesen aber lediglich zum Einsetzen der Sim´s (richtig gelesen, dass OnePlus Two ist ein Dual Sim Gerät) oder zum Wechseln der Standardabdeckung (diese ist Sandstone Black) lösen muss, sollte das nicht unbedingt ein Problem sein.



Display:

Das 5,5 Zoll Display löst mit 1920 × 1080 Pixel, also Full-HD auf, kommt hierbei auf 401 PPI und wird von Cornings Gorilla Glas 4 geschützt.. Da es sich um ein IPS LCD Display handelt, sind auch die Farben recht natürlich und auch nicht so knackig wie man es von AMOLED Displays her kennt.

Vermutlich zu Gunsten längere Akkulaufzeiten hat man bei OnePlus auf eine QHD Auflösung verzichtet. Dies kann aber ohne weiteres verschmerzt werden. Denn selbst auf einem 5,5 Zoll Display kann man da eigentlich nicht unbedingt einen Unterschied feststellen, sondern nur wenn man sehr genau hinsieht.

Recht gut ist die Blickwinkelstabilität, die bei 178° liegt. Was jedoch auffällt, ist die Bildschirmhelligkeit, welche nach internen Tests von diversen Websites bei 600 nits liegen soll. Tatsächlich ist das OnePlus Two auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch sehr gut abzulesen.

Hardware, CPU und Speicher:

Als CPU kommt beim OnePlus Two ein Qualcomm Snapdragon 810 zum Einsatz, also eine Octa-Core CPU mit vier Cortex A57 und vier Cortex A 53 Kernen, die mit maximal 1,8 Gigahertz takten. Da es ja mit dem Snapdragon 810 häufig zu Hitzeproblemen und starken Leistungsabfällen kam, hat OnePlus zusammen mit dem Hersteller Qualcomm eine geänderte Software eingesetzt, welche die CPU steuert. Dies führt dazu, dass es kaum noch Hitzeprobleme gibt. Trotz allen Kniffen kommt es jedoch bei sehr starker Belastung immer noch zu Geschwindigkeitseinbußen. Im Normalbetrieb ist davon allerdings nichts zu bemerken. In Verbindung mit den 4 GB RAM (beim 64 er Modell) sowie der Adreno 430 GPU ist genug Leistung für die nächsten ein bis zwei Jahre gegeben.

Leider dürfte das OnePlus Two trotzdem nicht mit den Flaggschiffen von Apple oder Samsung mithalten können. Auf der anderen Seite wird man die leicht geminderte Performance im Alltag aber kaum bemerken.

Das OnePlus Two wird in zwei Varianten vertrieben. Zum einen ein 16 GB Modell, welches mit 3 GB RAM bestückt ist sowie ein 64 GB Modell, welches 4 GB RAM besitzt.

Eine Speichererweiterung gibt es beim OnePlus Two leider nicht. Wer also viele Spiele, Musik, Videos oder Fotos auf seinem OnePlus Two speichern will, sollte die 60 € Mehrpreis für das 64 GB Modell auf jeden Fall nutzen. Denn nur so kann man sicher sein, dass man nicht ständig seine Daten auslagern muss.

Der nicht wechselbar Akku bringt eine Leistung von 3300 mAh. Diese sind auf jeden Fall ausreichend, um je nach Nutzung ein bis gut zwei Tage über die Runden zu kommen. Selbst bei intensiver Benutzung des OnePlus Two sollte man ohne Probleme ein Tag hinkommen.

Der ähnlich wie bei Samsung aussehende Button auf der Vorderseite, ist jedoch kein Button in dem Sinne, sondern lediglich eine Sensortaste, die den Fingerabdruckscanner enthält und auch den sogenannten Homebutton. Dieser arbeitet ähnlich gut wie beim Apple iPhone 6S (plus). Einen großen Unterschied beim Entsperren des Gerätes konnte ich zwischen OnePlus Two und Apples iPhone 6S nicht feststellen. Ein Vorteil bei Apple ist aber doch darin zu sehen, dass die Integration des Fingerabdruckscanner in Apps deutlich höher ist. Bisher fand ich die Fingerabdruckscanner in Android Smartphones immer noch recht schlecht. Hier sollten sich die anderen Hersteller an OnePlus ein deutliches Beispiel nehmen.

Ansonsten ist bei den Netzwerk Verbindungen und Sensoren (bis auf das fehlende NFC) alles vorhanden. Das OnePlus Two funkt im GSM Netz in den Bändern 850, 900, 1800 und 1900 MHz sowie in den LTE Bändern 1/3/5/7/8/20. Ferner hat es Dualband WiFi im 2,4 GHz Bereich b/g/n und 5 GHz a/n/ac, Bluetooth 4.1 und GPS.

Mit seinen Maßen von 151,8 × 74,9 × 9,85 mm ist das OnePlus Two nicht gerade klein. Hinzu kommt noch das Gewicht von 175 g. Im Großen und Ganzen kann man das OnePlus Two aber noch mit einer Hand bedienen, wobei es je nach App doch teilweise recht schwer wird. Das OnePlus Two liegt aber gerade mit der Standardabdeckung Sandstone Black recht gut in der Hand. Die Rückseite ist etwas rau gehalten und hat damit einen ordentlichen Grip.



Software und Bedienung:

Ausgeliefert wurde das hier vorliegende OnePlus Two mit der Software Oxygen OS 2.0. Das Oxygen System ist ein von OnePlus entwickeltes OS welches auf Android basiert. Es wirkt ähnlich wie bei den Nexus Geräten, also eine Art Vanilla Android. Nach der ersten Inbetriebnahme des OnePlus Two wurde das Betriebssystem aber bereits auf Version 2.1.2 geupdatet. Oxygen 2.1.2 basiert auf Android 5.1.1 Lollipop und hat sogar bereits das ein oder andere Feature von Android 6.0 Marshmallow integriert. Hier ist insbesondere die Möglichkeit zu erwähnen, selbst installierten Apps Berechtigungen so entziehen. Ganz so dezidiert den Apps Berechtigungen zu entziehen wie man es früher unter Root mit bestimmten Apps machen konnte, geht es zwar noch nicht, aber vielleicht kommt dies mit einem späteren Update.

Die beiden Sensortasten links und rechts neben dem Fingerabdruckscanner sind leider nicht mit Symbolen gekennzeichnet sondern lediglich mit Strichen. Dieses ist natürlich recht gewöhnungsbedürftig. In der Standardeinstellung ist die linke Sensortaste mit der Funktion „Zurück“ gekennzeichnet und die rechte Sensortaste mit der Funktion“ Multitasking“. In den Einstellungen lassen sich die Sensortasten von der Funktion her aber auch vertauschen. Für viele dürfte es sinnvoller sein (insbesondere Rechtshänder), wenn die „Zurück“ Taste sich auf der rechten Seite befindet, da sie doch weitaus häufiger benutzt wird. Daneben gibt es auch noch die Möglichkeit, die Sensortasten zu deaktivieren und stattdessen eine Bildschirm-Navigationsleiste einzublenden. Der Fingerabdruckscanner funktioniert hierbei aber weiterhin.

Des Weiteren sind diverse Gestensteuerungen möglich und auch ein nettes Feature ist Swype Down, also die Möglichkeit, die Benachrichtigungsleiste nicht von ganz oben herunterziehen zu müssen sondern von überall auf dem Display.

Vorinstalliert ist auch meine Lieblingstastatur SwiftKey. Die Worterkennung und das Lernen des geschriebenen, also die Einstellung auf den User sind hier fast perfekt. Hinzu kommen die Anpassungsmöglichkeiten, angefangen von der Position der Tastatur, Aussehen der Tastatur bis hin zur Größe der Tasten.



Telefonfunktion:

Bei der Sprachqualität liegt das OnePlus Two auf einem recht hohen Niveau. Nebengeräusche werden so gut wie gar keine vernommen. Die Gesprächspartner konnten ein ebenso gut verstehen wie man diese selbst gut verstanden hat. Die Stimmen der Gesprächspartner waren recht deutlich und klar, hörten sich aber trotzdem irgendwie etwas künstlich an, was den Gesamteindruck somit leicht schmälert. Da aber jeder Mensch ein anderes Gehör hat, kann nicht ausgeschlossen werden, dass den einen oder anderen User dieses doch sehr stört, während andere wiederum hier gar nichts zu meckern haben.

Kamera:

Die Hauptkamera des OnePlus Two löst mit 13 Megapixel auf. Die Kamera besteht aus 6 physikalischen Linsen und weist eine Blende von f/2.0 auf. Daneben gehören Dual LED Blitz, ein optischer Bildstabilisator sowie auch ein Laser-Autofokus (ähnlich wie beim LG G3 oder G4) dazu. Und auch wie bei LG sorgt der Laser Autofokus dafür, dass sehr schnell scharfe Bilder geschossen werden können.

Ferner können auch Fotos in RAW Qualität geschossen werden und auch eine 4 K Auflösung für Videos gehört dazu. Selbstverständlich gehören auch SloMo, HDR und weitere Features dazu.

4K Videos können jedoch nur bis zu einer Maximallänge von 10 Minuten aufgenommen werden, während HD oder Full HD Videos unbegrenzt aufgenommen werden können (natürlich begrenzt auf den Speicherplatz).
Zeitlupe Aufnahmen lassen sich in HD Qualität mit 120 Frames pro Sekunde aufnehmen. Ebenso ist die Möglichkeit von Zeitrafferaufnahmen und Panorama Fotos vorhanden.

Für Selfies werden Fotos über eine 5 MP Front Cam aufgenommen.

Sowohl im HDR Modus als auch im normalen Modus macht das OnePlus Two ordentliche Bilder, die man jedoch nicht als brillant bezeichnen kann. Hier muss man doch leichte Abstriche gegenüber den anderen Herstellern wie Samsung oder Apple hinnehmen. Aber auch hier muss man bedenken, dass man deutlich weniger bezahlt. Für diesen Preis geht die Kamera des OnePlus Two also voll in Ordnung.

Einen Mangel wollen wir an dieser Stelle aber nicht verschweigen. Der Autofokus arbeitet scheinbar nicht hundertprozentig. In Videos versucht dieser ständig andere Punkte zu fokussieren, so dass es vorkommen kann, dass Videos eher unscharf werden. Auch im normalen Fotomodus springt der Laser Fokus hin und her, hat hier aber nicht solche Auswirkungen wie bei den Videos. Insgesamt kommt es so vor, als wenn die Software noch nicht ganz ausgereift wäre. Hier muss OnePlus dringend liefern.



Entertainment:


Wenn man das OnePlus Two von unten betrachtet, könnte man denken, das hier Stereo Lautsprecher verbaut sind. Dem ist leider nicht so, nur hinter dem rechten Gitter befindet sich ein Lautsprecher. Dies hat natürlich besonders für Rechtshänder den Nachteil, dass zum Beispiel in Spielen man kaum noch Sound hört, wenn der Lautsprecher von der Hand verdeckt ist.

Für Liebhaber von Equalizern gibt es im OnePlus Two bereits eine App namens Audio Tuner. Hier kann für Musik, Film oder Spiele diverse Einstellungen per Presets oder auch manueller Einstellmöglichkeiten jede Menge probiert werden.

Insgesamt gesehen muss man jedoch festhalten, dass die Soundqualität für ein Gerät dieser Preisklasse erstaunlich gut ist.


Fazit:


Insgesamt gesehen ist das OnePlus Two ein sehr gutes Smartphone. Als Flaggschiff Killer wie es von OnePlus angepriesen wurde, kann ich es aber nicht sehen, da hier doch einiges fehlt. Das Oxygen OS scheint noch nicht ganz fertig oder ausgereift zu sein. Zum einen fehlen funktionierende Stromspareinstellungen, zum anderen scheint auch mit dem Auto Laser Fokus was nicht ganz zustimmen.

Weitere Kleinigkeiten wie fehlendes NFC, Schnellladefunktion oder die Möglichkeit zum drahtlos aufladen müssen auch beachtet werden. Das nur ein Full HD Display verbaut wurde, kann aber ohne weiteres verschmerzt werden hierbei.

Lässt man mal die ganzen Marketing Sprüche von OnePlus beiseite, und betrachtet rein die Hardware sowie die Software des OnePlus Two, so erhält man für 399 € (für die 64 GB Variante) ein wirklich tolles Smartphone. Zum Glück hat OnePlus diese unsinnige Invite Politik für das OnePlus Two mittlerweile abgeschafft, so dass es über den Shop des Herstellers ohne Probleme bestellt werden kann.