In der Woche des vierzehnjährigen Firmenjubiläums kann sich Google nach dürren Jahren an der Börse endlich wieder über neue Allzeithochs freuen. Nicht unwesentlichen Anteil hat daran das totale Maps-Debakel des großen Rivalen Apple. Wie Chairman Eric Schmidt am Rande eines Tablet-Launches in Japan bemerkte, hätte Apple gut daran getan, an Google Maps festzuhalten. Eine eigenständige App-Version für iOS stünde alles andere als vor einem Start, laut seinen Aussagen habe man gar nicht vor eine eigene iOS-App zu entwickeln.
Während sich viele iPhone-5-Nutzer bereits Google Maps anstatt der neuen Apple Maps zurückwünschen, lässt Google keine Bemühungen erkennen, in der Causa auf Apple zuzugehen. Wozu auch, es sei Apples Entscheidung gewesen. "Mit uns wären sie besser dran", sagt Googles Ex-CEO Eric Schmidt in Japan.




Nachdem Apple für seinen neuen iOS-6-Kartendienst Apple Maps und dessen Fehleranfälligkeit kritisiert wird, sehnen sich viele Nutzer nach Google Maps. Google-Vorstand und Ex-CEO Eric Schmidt lässt während eines Interviews in Tokio jedoch keinerlei Bemühungen seines Konzerns erkennen, eine eigenständige Google-Maps-App für Apple zu entwickeln - jedenfalls nicht, solange Apple dies nicht wünscht.




Statt des "thermonuklearen Krieges", der im Juni mit der Ankündigung eines eigenen Kartendienstes auf allen iOS-Geräten herauf zu ziehen schien, kann sich Google wenige Tage nach dem Rollout der Apple Maps nun vermeintlich über einen 100-jährigen Vorsprung freuen.
Die Apple Maps sind ein Desaster, das in diesen Dimensionen das Antennagate oder den schwachen Onlinedienste MobileMe und Ping wie eine Fußnote erscheinen lassen.

Und anders als am Wochenende spekuliert wurde, scheint Google keinesfalls gewillt zu sein, Apple aus dieser eigenen Misere herauszuhelfen, in dem es Google Maps als eigenständige App im AppStore zum Download anbietet.




Gegenüber Reuters gibt Schmidt zu Protokoll:
"Wir denken, sie wären besser dran, wenn sie unsere behalten hätten. Aber was sollten wir tun, sie zwingen, ihre Meinung nicht zu ändern? Sie sind jetzt am Zug."
Google befinde sich mit Apple ständig, auf allen möglichen Ebenen im Gespräch. An einer Google-Maps-App für das iPhone 5 arbeite man aber nicht.
"Wir haben bis jetzt noch nichts getan"
meinte Schmidt.

Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen seit dem ersten iPhone im Jahr 2007 wurde über die Jahre schrittweise zurückgefahren. Laut Schmidt liege der Ball auch bezüglich der Integration der Google-Suche bei Apple:
"Wir wollen, dass sie unser Partner sind. Wir begrüßen das. Ich werde aber nicht darüber spekulieren, was sie tun werden. Sie werden diese Frage beantworten, wenn sie es für richtig halten."
Schmidt betonte allerdings auch, dass in der momentanen Lage Google und sein Android-Betriebssystem der Marktführer seien, nicht Apple. In der Wahrnehmung vieler Medien sehe es oft nicht so aus, weil diese von Apples Marke und Events besessen seien.
"Das ist gut für Apple, aber die Zahlen sind auf unserer Seite"
meint Schmidt dazu.

Während seines Aufenthalts in Japan zeigte Schmidt unter anderem eine Maps-Entwicklung, bei der man die Ansicht je nach Lage des Mobilgeräts verändern kann. Dabei bewege sich die Landkarte laut Reuters, wie wenn man sich darauf umsehe.
"Nimm das Apple!"
meinte Schmidt dazu, wobei er aber schnell ergänzte:
"Das war übrigens ein Scherz."
Damit bringt der langjährige Google-CEO Licht ins Dunkel der Spekulationen um den Austausch der Kartendienste, über den sich seit der Entwicklermesse WWDC Mythen rankten. Wie das US-Blog The Verge berichtet, ist Apple überraschend aus dem Vertrag ein Jahr vor Ablauf ausgestiegen, weil der iPhone-Hersteller mit der Google iOS-Version nicht zufrieden war und sich die Verhandlungen schwierig gestaltet hätten. Google konterte bekanntermaßen wenige Tage vor der WWDC mit einem Ausblick auf die nächste Maps-Generation.

Anleger haben unterdessen zur Abwesenheit von Google Maps auf Apples neuem mobilen Betriebssystem eine klare Meinung: In den vergangenen zwei Tagen verlor die Apple-Aktie 27 Dollar oder 25 Milliarden Dollar an Börsenwert, während Anteilsscheine von Google auf neue Allzeithochs zischten und dabei in der Spitze 35 Dollar an Wert gewannen. Ein so klares Urteil hat die Wall Street selten gesprochen.


Quellen: Klick und Klick und Klick