WhatsApp und Co.: der schnelle und sichere Tod der SMS im Überblick

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Es ist gar nicht so lange her, dass der Short Message Service, kurz SMS, der bevorzugte Kommunikationsweg für mobile Textnachrichten gewesen ist. Doch mit der virusartigen Verbreitung von Messengern, allen voran die Facebook-Tochter WhatsApp, ist die Zahl versendeter Nachrichten rapide gesunken. Ein Blick auf aktuelle Statistiken


Anfang der 2000er Jahre erlebte die SMS ihren ersten Boom, was sogar zu Netzausfällen rund um Weihnachten und Silvester führte, als die nur unzureichend vorbereiteten Mobilfunknetze zeitgleich von Millionen Nachrichten geflutet wurden.In den Folgejahren konnte alle 12 Monate eine Zunahme der versendeten SMS um 10 bis 33(!) Prozent verzeichnet werden - und das, obwohl der Versand in den meisten Tarifen kostenpflichtig gewesen ist. Für die Mobilfunkanbieter war das natürlich die berühmte Lizenz zum Gelddrucken.

Doch ab dem Jahr 2009 wuchs - zunächst relativ unbemerkt - eine mehr als mächtige Konkurrenz heran: WhatsApp. Der Messenger nutzte eine komplett andere Technik, die erst dank der sogenannten Smartphones möglich geworden ist. Dabei werden die Daten nicht mehr im üblichen GMS-Standard übertragen, sondern als echte Datenpakete. Die Vorteile liegen klar auf der Hand:

  • Texte können mehr als die bei der SMS maximal möglichen 160 Zeichen enthalten
  • Versand von Bildern, Videos und Dokumenten ist möglich
  • Smilies beziehungsweise Emojis lockern die Nachrichten auf
  • Im Prinzip kostenlos, es wird allenfalls Datenvolumen verbraucht

Der Dienst erfreute sich schnell großer und vor allem stetig wachsender Beliebtheit. Im Lauf des Jahres 2013 kletterte die Zahl der weltweit aktiven Nutzer von rund 150 Millionen aus 400 Millionen. Anfang 2015 waren es bereits 700 Millionen, vor etwas mehr als einem Jahr wurde die Schallmauer von einer Milliarde Nutzer geknackt. Laut den zuletzt veröffentlichten Zahlen von Anfang dieses Jahres waren es bereits 1,2 Milliarden Nutzer, die mindestens einmal im Monat eine Nachricht über diesen Dienst versenden (siehe nachfolgende Grafik). Und inzwischen ist das Anfang 2014 für 19 Milliarden US-Dollar von Facebook übernommene Unternehmen längst nicht mehr alleine auf dem Markt, denn Nachrichten lassen sich inzwischen auch mit Mitbewerbern wie Telegram, Threema, SIMSme von der Deutsche Post und zahlreiche andere Dienste versenden.

(Grafik: statista.com)​

Auch in Deutschland wuchs und wächst die Anzahl beständig. Laut diversen Umfragen nutzen fast 70 Prozent aller deutschen Internetnutzer inzwischen einen oder mehrere Messenger, wobei WhatsApp mit einer Quote vom 63 Prozent aller Nutzer die Nase klar vorne hat. Und das wirkt sich natürlich nachhaltig auf den Versand von SMS aus, denn seit 2013 geht es rapide bergab. Wurden 2012 noch rund 60 Milliarden der Kurznachrichten versendet waren es bereits ein Jahr später fast 37 Prozent weniger. Im Jahr 2014 fiel der Wert sogar um deutlich über 41 Prozent. Innerhalb von nur zwei Jahren ist der Markt also um über 60 Prozent eingebrochen - und das, obwohl die Mobilfunkanbieter als Reaktion auf die Konkurrenz inzwischen meistens auf Gebühren für die Textübermittlung verzichten.

Ende letzten Jahres wurden dann nur noch 12,7 Milliarden SMS versendet, also knapp 20 Prozent dessen, was zu den besten Zeiten erreicht wurde. Eine weitere Angabe verdeutlicht den Negativtrend: 2012 wurden laut den Statistiken der Bundesnetzagentur 44 SMS pro Mobilfunkkarte verschickt, Ende letzten Jahres waren es nur noch 9 je SIM-Karte. Und davon dürften die meisten auch noch automatisierte Nachrichten der Provider sein, die beispielsweise über verpasste Anrufe oder neue Nachrichten auf der Sprachbox informieren.

(Grafik: Bundesnetzagentur)​

Dank immer neuer Zusatzdienste der Messenger, darunter Sprachnachrichten, Telefonate inzwischen sogar und Videotelefonate, dürfte die Beliebtheit noch weiter ansteigen. Insofern muss man kein Prophet sein, um einen weiteren Einbruch der SMS-Zahlen vorherzusagen. Im Lauf dieses Jahres dürfte der Wert von 10 Milliarden Kurznachrichten im Mobilfunknetz allenfalls knapp erreicht werden. Damit wäre man auf einem Stand angelangt, wie zuletzt Anfang dieses Jahrtausends.

Meinung des Autors: Die meisten Mobilfunknutzer werden sehr lange nachdenken müssen, wann sie das letzte Mal eine SMS versendet haben. Und vielen wird dazu wohl gar nichts einfallen, denn inzwischen sind Dienste wie WhatsApp, Telegram, Threema und Co. (fast) schon Standard. Das wirkt sich natürlich auf alle Statistiken aus. Und auf die Einnahmen der Mobilfunkanbieter, die sich an der SMS eine goldene Nase verdient haben.
 

Zeiram

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SMS ist nach wie vor sehr beliebt, es hat sich nur in andere Bereiche verlagert. Vor allem Banken zum Beispiel bieten seit Einführung des TAN Verfahrens neben Zusatzgeräten auch die Option an eine TAN per SMS direkt zu schicken, oder diverse Systeme zur Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen ebenfalls SMS, bzw. bieten diese zumindest an.
 
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